Prolog

Als ich 1987 meine olle Suzuki TS125 endgültig parkte (nach 3 Kolben und 2 Zylinderköpfen) war eine SRX 600 mein erstes, großes Motorrad. Der klassische Eintopf sollte es sein und dazu ein schmale, gute Figur - die SRX vereinte das alles. Es kümmerte mich nicht, daß der Tank lediglich 15 Liter fasste, ein Hauptständer fehlte und nur mit einem Kickstarter die 608 ccm zum Leben erweckt werden konnten. Ich war dem "ungeheuer attraktiven Vamp" (Motorrad 12/1985) in der Farbe dunkelblau verfallen.
Allerdings, - streßfrei waren unsere 2 gemeinsamen Jahre nicht und dies führte auch dann letzlich zur Trennung.

Zuerst wurde der Tank aufgrund seiner mißerablen Lackqualität auf Garantie getauscht. Desgleichen geschah in der Folge mit den Doppel-Vergasern, deren Membranen mit dem (damals neuen) bleifreien Sprit nicht klar kamen. Auch der kleine Zündunterbechnungs-Schalter am Seitenständer sorgte für reichlich Stottern und wurde nach Überbrücken schließlich getauscht.

Nicht schön waren aber 2 Aggregatszustände, in denen das Ankicken zum gewichtszehrenden und schweißtreibenden Sport wurde: feucht-kalte Nacht oder heißer Motor. Ersteres ließ sich mit einigermaßen Kondition noch bewältigen, aber im heißen Zustand half häufig nur noch Parken oder ADAC. Nicht, daß es da Zweifel an der Zuverlässigkeit gibt: Touren nach Frankreich oder in die Alpen - null Problemo! Aber wehe die Möhre ging im Umkreis von 20 Km von zu hause aus ....

Aber - bedauert habe ich den Verkauf immer und die nur kurze Modellgeschichte in Deutschland habe ich auch nicht verstanden.


UND NUN KOMMT'S!
Let's do it again!

An dem Angebot kam ich nicht vorbei: Originalzustand, 15000 Km und Baujahr 1989

Ich habe mir wieder eine gekauft !
Und das ist er, der dicke Topf! Er fackelt in seinen 608 ccm meine halbe Yellow Mellow ab, allerdings gibt es da dann doch noch ein paar Unterschiede bei PS und Drehmoment.



Und das ist die neue Aussicht: klassischer Tacho mit weißem Zifferblatt und ein beigefügter Bonsai-Drehzahlmesser. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum die Instrumente nicht umgedreht entworfen wurden: Drehzahlmesser in die Mitte!


Soweit die Geschichte im April 2000. Danach folgten ein paar unbeschwerte Kilometer und eine Inspektion bei Yamaha Stocksiefen. Ergebnis: ca. 30% Leistungsverlust, die Energie verpufft zwischen Zylinderkopf und Kurbelwellengehäuse ... Ein klares Anzeichen, daß der Vorbesitzer den Unterschied zwischen "Warmfahren" und "Heizen" nicht verstanden hat.

Der Patient wurde nun im Winter "geöffnet" und dann nahmen die Dinge ihren Lauf:

o Ventilsitze neu eingeschliffen
o Zylinder geschliffen und gehont
o Kolben mit 05, mm Übermaß
o linkes Kurbelwellenlager ersetzt
o ausgearbeitetes Material neu eingeklebt und geschliffen
o Kurbelwelle neu gelagert
o Getriebe, 5. Gang ersetzt
o Lenkkopf neu gelagert
o Auspuff schweißen
o 18000er Inspektion

und da wir schon dabei waren: Schutzblech, Tank und Heck neu lackiert - in Samson blue, der Farbe meiner ersten SRX 600.

Voilà, das Ergebnis im Februar 2001:
Die innernen Werte offenbaren sich erst beim Fahren, aber das blaue Kleidchen macht sich doch gut!
... und so ist das nun im Februar: Sonne und 6 Grad am Rhein, Schnee und 1 Grad (gefühlt: minus 100 Grad) im Taunus!
Die SRX Story endet am 11. Mai 2002. Künftig wird der Eintopf die Gegend rund um Chemnitz unsicher machen - denn dahin hat sie der neue Besitzer entführt ...